Mittwoch, 4. September 2019

Geh nicht ran.

Meine Mutter und ich betreten die Kellerwohnung, mein neues ''Zuhause''. Wir laufen ins Wohnzimmer und legen unsere Sachen ab, während meine Mutter davon redet wie erleichternt es doch sei aus der brennenden Hitze in eine kühle Kellerwohnung zu kommen. Ich finde es nicht heiß, aber ich finde es nie zu heiß. Über sowas sollte man wirklich nicht mit jemanden reden, der bei 36  Grad lange Sachen an hat ohne ins Schwitzen zu kommen (Gott segne meine Gene). Ich lache kurz auf während ich nach einem Sweatshirt greife (hier ist es mir zu kalt). Doch plötzlich halte ich inne und mein sanftes Gelächter wird verschluckt, mein halbes Lächeln versteift sich, meine Augen weiten sich – mein Gesicht eine merkwürdige Grimasse. 

Einen Moment mal? Habe ich das hier nicht schon erlebt? Diesen exakten Moment? Vor weniger als einer Stunde? Es kann nicht mehr als eine Stunde vergangen sein.

Ich schaue zu meiner Mutter rüber, auf ihrem Gesicht liegt ein warmes Lächeln, aber ihre Augen sind  geweitet und emotionslos. Verwirrt starre ich sie an, als plötzlich ihr Handy klingelt. Ein kleines rotes Licht leuchtet auf während das nervenbetörende Klingeln durch den Raum hallt. Und ich weiß was das heißt. Panik ergreift mich.
Ohne meinen Blick von meiner Mutter abzuwenden bewege ich mich langsam in die Richtung des Tisches, auf welchem das Handy liegt, während ich mahnend aber ruhig zu meiner Mutter spreche: „Mama…du gehst da nicht ran.“

„Aber, ich muss da ran gehen. Ich muss da doch ran gehen!“ Ihr Gesichtsausdruck ist immer noch der selbe. 
Und so beginnt es, meine Mutter versucht die ganze Zeit an das Handy zu kommen, während ich abblocke um eben genau dies zu verhindern.
Als ich anfange sie anzuschreien wird das Klingeln des Handys von einem kurzen klirrenden Ton unterbrochen, gefolgt von einem Rauschen.
Der Anruf hat sich von selbst entgegen genommen. 
Der Anruf hat sich von selbst entgegen genommen?

Wie in Trance laufe ich vorsichtig auf das Handy zu, als ich einen Blick auf den Namen des Anrufers erhasche, werde ich in genau dieser Sekunde aus dem Schlaf gerissen. Wer bist du?
Ruckartig richte mich mit einem lauten Keuchen auf.
Ich lege meine Hand auf den Brustkorb und atme langsam tief ein und aus, bis mein Atem ruhiger wird.
Dann lehne ich mich gegen die Wand und starre in die Leere, Tunnelblick.
Einige Minuten verstreichen und ich lege mich wieder hin, ziehe die Decke über mich und vergrabe mein Gesicht in mein Kissen.
Dieser verdammte Traum ist wieder zurück, dieser verdammte Traum. Und er folgt immer dem selben Muster.
Ich wache an einem mir fremden, aber nicht außerweltlichen, Ort auf. Meistens ist es ein verlassener Ort oder ein Ort der von Zerstörung gezeichnet ist. Ich laufe umher und versuche herauszufinden wo ich bin. Irgendwann komme ich an eine Tür vorbei, diese ist einen Spalt geöffnet. Und aus diesem Raum ertönt das Klingeln eines Handys, ein kleines rotes Licht leuchtet auf was mir signalisiert wo es ist. Im Raum ist es stockdunkel. Ich betrete den Raum und nehme den Anruf entgegen. 
Variante 2 des Traumes ist komplett identisch, außer wenn es um den Teil des dunklen Raumes geht. In dieser Variante gehe ich durch eine Tür die einen Spalt geöffnet ist und gelange so erstmal in eine familiäre Umgebung, meistens lande ich im Flur meiner Wohnung, dann blicke ich zur Seite in einen Raum in dem es komplett dunkel ist. Da ist es dann wieder, das Klingeln des Handys, das rote Licht, ich laufe in Trance darauf zu und hebe ab. 

Während ich zusammengekauert unter meiner Bettdecke liege fällt es mir dann ein, das ist doch der Punkt der ganzen Sache. Das, was den Traum so beängstigend macht. 
Immer wenn ich den Anruf entgegen nehme werde ich aus dem Schlaf gerissen, daraufhin folgt immer ein verwirrendes oder verstörendes Ereignis. Immer.
Warum? Wer weiß das schon.

„Diesmal scheint es wohl nicht so zu sein“, sage ich mir in Gedanken.
Doch dann höre ich plötzlich wie jemand meinen Namen sagt – flüstert.
„M.“
Ich erkenne die Stimme wieder, es ist die Stimme meiner Mutter.
Ich nehme die Decke wieder von meinem Kopf und antworte: „Ja?“

„M!“ – „Was ist denn?!“ 
Ich richte mich genervt auf. 
„Komm doch einfach her wenn du was willst!“
Stille.
Keine Antwort, kein Ton, nichts. Und dann sinkt es langsam ein…Ich bin doch alleine Zuhause.
Wie angewurzelt bleibe ich noch einen Moment sitzen, dann stehe ich auf und suche die ganze Wohnung ab. Alle Türen und Fenster werden überprüft, es werden alle Schränke geöffnet, unter jedes Bett und jeden Tisch geschaut, hinter jedem Vorhang. Niemand. Absolut niemand da. Die Tür ist fest verschlossen.

Schließlich lasse ich mich aufs Sofa fallen und lasse alles was sich eben abgespielt hat sacken.
Seit dem ich in die Kellerwohnung gezogen bin habe ich diese Träume wieder. So gut wie jede Nacht, oder jede zweite. Es ist seltsam, ausgerechnet hier wo ich mich doch so wohl fühle, wirklich, ich glaube ich habe nirgends besser geschlafen und mich entspannter gefühlt als hier.
Ich erwische mich wieder bei dem selben Gedanken wie damals mit 14, als ich feststellte, dass dieser Traum ein wiederkehrender sein würde: „Wenn es ein etwas ist und nicht ein Produkt meiner Hirnmasse, dann ist dieses etwas wieder da.“

Ich höre einen lauten Knall, die Tür öffnet sich, langsam und dann schnell. Die schwere Tür die fest verschlossen war, die von außen keinen Türhebel hat und für die nur ich einen Schlüssel habe. Und dort steht: absolut niemand. Ich schaue im Treppenhaus nach, denn wenn es eine Sache gibt die schlimmer ist als Hirngespenster, dann sind das Einbrecher und potentielle Serienkiller. Niemand, auch die Eingangstür oben ist fest verschlossen.
Später fragte ich meine Familie aus, niemand will was gewusst haben. 
Das ist nicht mal Gedankengekrakel. Das ist Gehirnscheiße. 
Aber, es ist in Ordnung. Zwei Tassen schwarzer Kaffee bringen die Welt wieder in Ordnung, nur nicht meine Nieren wenn das so weiter geht.

Gedankencut. 

Montag, 2. September 2019

Updates

Okay. Also. Zum letzten Post…der wird bald gelöscht. Nicht weil ich mich dafür schäme, dass  das passiert ist – ist ja immerhin nicht meine Schuld – aber: doch, irgendwie fühle ich Scham und Widerwärtigkeit. Ich weiß nicht warum ich Scham fühle, vielleicht weil so etwas ziemlich erniedrigend ist. In dem Moment musste es einfach irgendwo raus, jetzt will ich aber den Reset Button drücken und so tun als wäre das nie passiert. Verdränge ich oder schließe ich gerade ab? Manchmal kann ich die beiden nicht voneinander trennen, doch ehrlich gesagt ist mir das gerade ziemlich egal.


Wer es gelesen hat nimmt es mit ins Grab und wir werden nie wieder darüber reden. 


Themenwechsel.
Meine Kamera ist kaputt gegangen, was mich zu tiefst erschüttert. Ich dachte die Batterien wären das Problem, aber es scheint die Stromversorgung zu sein. Das ist schlecht für meinen Zweitblog (kommt bald), aber ich werde mich darum kümmern.

Ich arbeite gerade daran mehr Struktur und Organisation in meinen Tagesablauf zu bringen, Verantwortung zu übernehmen und ich bin froh, dass ich Freunde haben die mir diesbezüglich in den Arsch treten. Ich bin froh, Leute kennengelernt zu haben die mir beigebracht haben zu streiten, Freundschaften zu pflegen und gemeinsam zu wachsen, anstatt sich abzukapseln. Ich liebe sie.
Da ist so viel bedingungslose Liebe. Warum ich euch das erzähle weiß ich nicht, ich fühle einfach so viel Dankbarkeit und Liebe für diese Menschen, jeden Tag und das wollte ich einfach…sagen.

Und, ich habe einen neuen Turm an Büchern erbaut, dazu ein anderes mal.


Na ja, gute Nacht.  

Montag, 4. März 2019

Hurra, sie lebt.

Ich lebe, jawohl. Ich habe die Tendenz unterzutauchen wenn es Probleme gibt oder ich gestresst bin. So verschwinde ich dann also für eine Weile, regele meinen Scheiß und tauche plötzlich durch ein wie durch Zauberhand aufgetauchtes Portal wieder auf. Zu dramatisch? Ich bin wie Danny Phantom.

In der Regel gehe ich dann auch nicht auf Nachrichten ein und melde mich auch nicht, ich möchte einfach niemanden einweihen.
Meine Freunde wissen das und haben es als eine meiner vielen Macken akzeptiert.
Ich bin das große Fragezeichen das…einfach da ist.

Man kann mich allerdings immer anrufen, oder mir schreiben wenn man sich nicht so gut fühlt, dafür nehme ich mir die Zeit – immer. Alles und immer, solange sich die Gespräche nicht um mich drehen. Wenn ich sage ich gehe nicht auf Nachrichten eine, dann sollen damit nur belanglose Gespräche gemeint sein (ich lese sie aber).


Darum soll es aber eigentlich gar nicht gehen.
Ich dachte mir, da ich so oder so nicht genug Schlaf kriege, könnte ich mich so spät in der Nacht wenigstens mit Dingen beschäftigen die mir Freude bereiten.
So beschloss ich mich mal wieder zu Wort zu melden, wenn auch nur kurz (ich schreibe in den nächsten Tagen eine Klausur).


Ich fragte mich, ich fragte mich, ich fragte mich, ich fragte mich.
Ich fragte mich ob ihr, meine treuen sechs Leser, zurecht kommt? Wie sieht es in eurer Welt aus?
Wie sieht es in eurer Welt aus und wie wohl die Welt durch eure Augen aussieht? Was seht ihr?

Und wo ich euch schon so direkt anspreche, vielleicht könnt ihr mir einige aktive Blogs in den Kommentaren zum abchecken hinterlassen? Irgendwie beschäftigt mich in letzter Zeit der Fakt, dass so viele Blogger von der Fläche verschwunden sind. Und auf der Suche nach aktiven oder aktiveren Blogs finde ich meistens…nichts.


Passt auf euch auf.


Samstag, 22. Dezember 2018

In Bewegung

Fertig, da habe ich es nun stehen, Dunkelblau auf Weiß, eine lange Liste mit Dingen die ich falsch mache – und zwar jeden Tag, den ganzen Tag lang.
Wow, ja, das kommt wohl dabei raus wenn man sich nach längerer Zeit mal wieder hinsetzt und sein Verhalten analysiert, welches man immer an den Tag legt. 
Einige Dinge sind neu auf der Liste, andere…weniger neu. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich einfach nichts ändern wird wenn man versucht alles auf einen Schlag zu ändern. Denn traurigerweise kann man Gewohnheiten nicht einfach von einen Schlag auf den anderen ablegen, Wunden heilen nicht über Nacht und man öffnet auch nicht einfach eines Tages die Augen und stellt fest, dass sich der ganze Charakter verändert hat. Es ist ein Prozess, ein langer Prozess.

Dinge brauchen Zeit. Alles braucht Zeit. Auch wenn alles immer in ständiger Bewegung ist und nichts stehen bleibt, es braucht Zeit.
So nehme ich mir nun immer an einem Punkt der Liste zu arbeiten, bis ich (hoffentlich) erfolgreich zum nächsten komme.




Wie kommt ihr zurecht?

Sonntag, 16. Dezember 2018

In Hülle und Fülle…oder so.

Es ist 2:34 Uhr morgens, wieso bin ich überhaupt wach? Tja, wieso…hm. Ich schätze ich bin hier weil ich gerade einfach von einem gewaltigen Mitteilungsbedürfnis überfallen wurde, das war ziemlich dramatisch – die Scheibe wurde dabei eingeschlagen und so.

Jedenfalls wollte ich nur sagen, dass ich liebe. Ich liebe und ich lebe. Ich liebe alle und seitdem ich langsam aber sicher lerne mit Gefühlen umzugehen sprudeln sie einfach so aus mir heraus. Eine Sache die mich anfangs etwas irritiert hat, ist dass es nicht so ganz üblich zu sein schien seine Gefühle einfach aus dem heiteren Himmel ohne jeglichen Grund und total spontan einfach auszudrücken – Erdlinge finden das komisch. Das fand ich…scheiße. Also beschloss ich für mich…dass das scheiße ist (ich wette das hat niemand kommen sehen). Es sollte so nicht sein, fand ich, also habe ich einfach so weiter gemacht wie bislang auch.


Irgendwie ist die Kommunikation und der Zusammenhalt unter meiner Squad dadurch besser geworden und die Beziehung zu meiner Mutter auch. Ich schätze wenn man Menschen zeigt, dass es okay ist Gefühle zu fühlen und sie in Hülle und Fülle zum Ausdruck zu bringen…dann regnet es Konfetti und Glitzer und überall sind Regenbögen…ich meine dann führen alle ein erfüllteres Leben.


Ach ja, das Bildungssystem ist wirklich scheiße. Wirklich, wirklich scheiße. Und wir wissen nur was wir wissen dürfen, quasi. Das hat nichts mit diesem Post zu tun, aber ich wollte mich nur mal eben auskotzen.

Sonntag, 11. November 2018

Von Großstadtmenschlein und Paranoia.

7:19 Uhr. Meistens dann stehe ich an der Tür der U-Bahn. Nach zwanzig Minuten Busfahrt und vierzig bis fünfzig Minuten S-Bahn, bin ich von dort aus nur noch fünf Minuten mit der U-Bahn zur Schule unterwegs. Ja, ich brauche knapp eine Stunde und ungefähr zehn bis fünfzehn Minuten zur Schule...mal ein paar Minuten mehr oder weniger. Und wer gerade einen tiefen Seufzer ausstoßt und mir in Gedanken sein Beileid ausspricht: Ich weiß.

Und um 5:00 Uhr morgens aufzustehen macht auch wirklich keinen Spaß, genauso wenig wie zur Bushaltestelle zu sprinten um den Bus zu kriegen, aber lächerlicherweise bin ich gerne mit der Bahn unterwegs. Wenn ich gerade nicht angepöbelt oder von Wespen attackiert werde, betrachte ich die Großstadtmenschlein in ihrem natürlichen  Lebensraum. Ich mag Menschen, vor allem Fremde. Fremde sind meistens Menschen die mir nicht zu nahe treten, seltsamerweise fühle ich mich wohl und sicher umgeben von hunderten von Fremden die sich weder um mein Wohlbefinden noch meine Existenz scheren. Und vielleicht ist es genau das was ich an Fremden mag, ich bin unsichtbar aber nicht allein. Niemand nimmt Notiz von meiner Existenz, ich kann machen und sagen was ich will, sobald sich die Türen öffnen, wird sich niemand mehr danach an mich erinnern. Gleichzeitig stressen mich meine Paranoia ungemein und von so vielen Menschen umgeben zu sein macht es nicht besser. Es ist lächerlich widersprüchlich, ständig bin ich irgendwo zwischen "Okay, alles ist gut, entspann dich" und "Halt dein Messer sicherheitshalber bereit, du wirst es mit hoher Wahrscheinlichkeit brauchen weil die ganze Welt darauf aus ist dich umzubringen".
Mama sagt ich bin krank. Mama weiß nicht was diese Augen gesehen haben und dieser Körper zu spüren bekommen hat.
Eigentlich hat sich nichts geändert, ich ziehe nach wie vor Menschen mit bösen Absichten magisch an und ich fürchte nach wie vor das einige ihren Weg zurück in mein Leben finden. Das einzige was sich geändert hat, meine ich, ist lediglich dass ich froh bin nach einem Jahr in Einsamkeit andere Stimmen zu hören außer meiner eigenen. Vielleicht sollte ich mein oben erwähntes gewagtes Statement zurücknehmen. Ich fühle mich nicht wohl und sicher, ich bin nur froh andere Gesichter zu sehen und andere Stimmen zu hören. Andere Gesichter und Stimmen als jene in meinem Kopf.

Ich habe eines in den vergangenen Monaten gelernt: Ich bin kein Großstadtmenschlein. Und ich will keins sein.

Dienstag, 23. Oktober 2018

Manchmal

Still starre ich auf die schwarz und braunen Fließen während ich im Schneidersitz auf dem Sofa sitze. Ich studiere sie genau, jeden Riss, jede Änderung im Farbverlauf. Dann lege ich beide Hände um meine Kaffeetasse, trinke sie aus und...stopp. Warm. Wärme.
Ich starre mit weit aufgerissenen Augen auf die Kaffeetasse und stoße einen langen Seufzer aus. 

Ich halte die Kaffeetasse hoch und schmiege sie dann an meine Wange. Warm. 
Jetzt auf meine Stirn. Warm.

Wieder starre ich auf die Fließen und meine Gedanken reißen mich erneut an sich und verschlingen mich – ich bin weg.
Manchmal tue ich seltsame Dinge nur um etwas zu spüren, nur um aus meinem eigenen Kopf ausbrechen zu können. 
Manchmal verlaufe ich mich in meinem eigenen Kopf, dann lande ich in irgendwelchen Welten und öffne Türen die nie geöffnet werden sollten. Das sind nicht meine Türen, glaube ich. 

Es ist frustrierend, manchmal. 
Ich frage mich wie das Leben eines Menschen aussieht in dessen Kopf es still ist.